Ich möchte in den diesjährigen Jahresrückblick mit einem Zitat von Vergangenheits-Mira einsteigen:

„Im Moment denke ich, dass 2020 kaum noch besser werden kann als 2019, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich bei diesem Gedanken oft falsch liege. Es wird immer noch besser.“

Tja liebe Vergangenheits-Mira, wenn du wüsstest, dass du ganz anders falsch liegst, als du dachtest…

2020 war für uns kein schlechtes Jahr, verglichen mit all den Schicksalsschlägen, die dieses Jahr über so viele Menschen hereingebrochen sind, aber anders war es auf jeden Fall. Mich macht die aktuelle Situation (neben phasenweiser Wut, Trauer und Antriebslosigkeit) sehr dankbar. Dankbar für die vielen tollen Erlebnisse, die es in meinem bisherigen Leben gab, für all die lieben Menschen um mich herum und für die Vielzahl an schönen Momenten, die auch das Jahr 2020 für uns bereitgehalten hat. Den diesjährigen Jahresrückblick zu schreiben macht sehr viel Spaß, denn es führt mir vor Augen, dass ich nicht, obwohl es sich so anfühlt, das ganze Jahr über Zuhause gegessen habe, sondern trotz Corona ziemlich viel erlebt habe.

Also komm mit auf die Reise durch ein verrücktes kulinarisches 2020!
Wie immer in chronologischer Reihenfolge.

1. Eine Reise nach China und ein Ausflug zu himmlischen Auberginen

geschmorte Auberginen aus China

Auberginen erscheinen erstmal nicht typisch chinesisch, aber typisch ist dort eh nicht das, was man in Deutschland vermutet.

Passend zum Start des Rückblicks bildet der erste Punkt dieser Liste auch den Start der weltweiten Pandemie, die uns nach wie vor beschäftigt. Tatsächlich trennten mich im Januar 2020 zeitweise nur ein paar hundert Kilometer von Wuhan, in der wohlmöglich eine Fledermaussuppe, den eigentlichen Titel des wichtigsten kulinarischen Erlebnisses dieses Jahres bekommen müsste.

Während sich die ersten Menschen ansteckten, wanderte ich sorglos durch die unglaublichen Berge von Hunag-Shan, trank Pu-Erh Tee auf einem gigantischen Teemarkt, genoss Mochi zum Frühstück und brachte meine Stäbchen-Skills auf ein nie erwartetes Level. Im Zuge meiner Ausbildung zur Trainerin für Kommunikations- und Veränderungsmodelle lernte ich nicht nur sehr viel über mich, sondern auch eine ganze Menge über die chinesische Küche. Tofuhaut und Schweinebauch, Wasserspinat und Sesamgurken, massenweise Hühnerknochen und dubiose Fischsuppen – eine unglaubliche Vielfalt, die sich auf der Lazy Susan (das ist der typische Drehtisch) Tag für Tag an mir und meinen Stäbchen vorbeidrehte. Was es in China alles zu entdecken gibt, ist spannend und mich für ein einzelnes Highlight zu entscheiden ist nicht leicht, doch für euch versuche ich es gern.

An einem Tag der Reise machten wir mittags einen Stopp in einem Bergdorf. Es regnete und die Tropfen perlten langsam an den roten Bögen der traditionellen Dächer herab. Der Nebel hing so tief, dass der Blick durch eine gläserne Hängebrücke direkt in einen Wattebausch führte. Widrige Wetterverhältnisse sind in China kein Argument für den Einbau von Fenstern und so saßen wir mit dicken Jacken an der Lazy Susan. Dort gab es die allerbeste geschmorte Aubergine der Welt. Sie hat mein Herz und meinen Magen gewärmt. Ein intensiver voller und runder Geschmack, den ich noch heute auf der Zunge spüre.

Mehr zu meinen kulinarischen Tipps für China gibt es hier.

Wandern durch das Huang Shan Gebirge in China

Einer der schönsten und außerirdischten Orte, die ich je sehen durfte.

2. Ayurvedisches Essen in Sri Lanka

Essen bei einer Ayurveda Kur in Sri Lanka

Wenn ihr euch denkt „5 – 7 Gerichte pro Tag?!?“ Das liegt daran, dass es immer verschiedenes Curries und Soßen zum Reis gibt.

Während ich noch mit meiner oben erwähnten Reisegruppe unterwegs war, ist auch Flo im Januar vor der Kälte des Deutschen Winters geflüchtet. Sein Ziel: 3 Wochen Ayurveda-Kur in Sri Lanka.

Neben komplettem Digital Detox, mehreren Massagen am Tag und regelmäßigen Yoga Einheiten bedeutete das auch die Vielfalt ayurvedischer Küche kennenzulernen. Im Ayurveda hat die typgerechte Ernährung einen hohen Stellenwert und wird wie Medizin eingesetzt. In der Klinik gab es jeden Tag 4 – 7 unterschiedliche srilankesische Gerichte und kaum eines davon wiederholte sich in der Zeit des Aufenthalts.

Wie mir Flo eben vorgerechnet hat, macht das knapp 50 komplett neue Gerichte für seine Geschmacksbibliothek. Nach eigener Aussage kann er sich an kein Gericht erinnern, dass ihm nicht geschmeckt hat. Besonders an der Küche war, dass sich nicht nur die Zubereitung von der deutschen stark unterscheidet, sondern auch dass die Zutaten ganz andere sind. Oft wird zum Beispiel bitterer Geschmack eingesetzt, was damit zu tun hat, dass diesen Lebensmitteln eine entgiftende Wirkung zugeschrieben wird. Besonders beliebte Gerichte hat der sympathische Koch Sugath zusammen mit den Gästen nachgekocht, sodass es bei uns ab und an Zuhause leckere Gerichte aus der Ayurveda-Kur gibt.

Weil ich die Prinzipien der ayurvedischen Ernährung so spannend fand habe ich diesen Artikel zum Thema verfasst.

3. Joghurt und Pan Roasted Pork in Nepal

Spezialitäten in Nepal essen

Der blumenartige Pfeffer auf dem Fleisch hat einen ganz besonderen Geschmack.

Nach einigen gemeinsamen Wochen in Sri Lanka, in denen wir es uns mit King Coconuts, Bananenbrot und French Toast gutgehen ließen, sind wir Ende Februar nach Nepal geflogen. Unsere mitgebrachten FFP 1 Masken hatten wir eigentlich nur wegen der berüchtigten Luftverschmutzung in Kathmandu dabei und ahnten noch nicht, dass sich das Tragen der Maske heute ganz normal anfühlen würde.

Bevor wir uns im März wieder aufteilten (Flo bewanderte den Himalaya und ich machte eine Ausbildung zur Yogalehrerin), erkundeten wir die kulinarische Vielfalt von Nepal. In der Hauptstadt gab es dazu reichlich Gelegenheit.
Unser absolutes Highlight ist Juju Dhau. Ein traditionell in Tontöpfen hergestellter Joghurt, der zurecht als „Kings Curd“ bezeichnet wird. Er ist soooooo cremig, reich an Geschmack und sowohl pur als auch als Bestandteil von Newari-Gerichten ein Genuss.

Ich wünsche mir, dass ich eines Tages einen ähnlichen Joghurt in unseren Breitengraden finde (oder zubereiten kann).

Als zweites Highlight möchte ich euch von einem Stück in der Pfanne geröstetem Schwein erzählen. Außen fast schwarz, innen unglaublich saftig und mit einem knusprigen und gleichzeitig milden nepalesischen Pfeffer getoppt. Wir haben es im tollen Restaurant Raithaane in unserer Wohngegend in Patan gefunden. Die dort servierte authentische Küche aus allen möglichen Landesteilen von Nepal hat uns so sehr gefallen, dass wir gleich zwei Mal dort waren.

Mira und Flo vom How to Gourmet Blog in Kathmandu
Happy Foodies in Kathmandu!

4. Selbstgemachter Käse im Kleingarten

Selber Käse machen

Unser ganzer Stolz: der selbstgemachte Weichkäse.

Dank des Rückholprogramms strandeten wir nur für knappe 10 Tage in einem Hotel in Kathmandu bevor wir schlussendlich zurück Nachhause fliegen konnten. Mitte April hatten wir somit ein paar Wochen Lockdown verpasst und konnten auch Zuhause Freunde und Familie nur über Skype sehen.

Nach drei Monaten ohne ordentliche Küche freuten wir uns extrem darauf wieder etwas selber zu machen und starteten mit unseren ersten Käse-Experimenten. Heraus kamen insgesamt ein Feta, ein Mozzarella, Ricotta und ein Weichkäse. Da wir keinen Keller haben, in dem es kühl ist, bot unser Kleingarten im Frühling den richtigen Ort, um den Weichkäse reifen zu lassen. Jeden Tag schlenderten wir im April in die Laube und wendeten unseren Käse. Nach 6 Wochen war es soweit und wir haben aufgeregt unseren Brie angeschnitten. Und siehe da: er war lecker!

Sobald wir umgezogen sind und hoffentlich einen Keller oder Platz für einen weiteren Kühlschrank haben wird die Käseproduktion auf jeden Fall fortgesetzt.

5. Genussreisen durch Thüringen

Zum ersten Mal erleben wir den „harten“ Bloggeralltag und „müssen“ 2 Mal die Woche Essen gehen.

Im Juni startete unsere erste richtig große Kooperation für How to Gourmet. Die Thüringer Tourismus GmbH wollte die Thüringer Restaurants nach dem Lockdown unterstützen und hat uns dafür auf kulinarische Entdeckungsreise geschickt.

Insgesamt haben wir innerhalb von 2 Monaten 10 Restaurants besucht, konnten die Köche und Betreiber kennenlernen und auch allerlei köstliches verspeisen. Zu jedem Restaurant habe ich einen Blogartikel geschrieben. Das hat wahnsinnig viel Spaß gemacht und ich freue mich immer noch, wenn mir jemand sagt, dass er eine der Empfehlungen selbst ausprobiert hat.

Wir denken an alle Ausflüge gern zurück, ganz besonders haben es uns aber das Restaurant Vergissmeinnicht in Oberhof, das Magda und die Bachstelze in Erfurt und die Weinbar Weimar angetan.

Hier findet ihr alle Blogbeiträge die bei unseren Genussreisen entstanden sind.

6. Ein Kochkurs im Allgäu

Grundlagenkochkurs in einer Woche

Unser Kochlehrer Dieter sagte immer nur „Jetzt noch etwas Salzmühle ans Gemüse“.

Ende Juni lösten wir Flos letztjähriges Geburtstagsgeschenk ein: Wir machten einen 5-tägigen Grundlagenkochkurs in der Kochschule Dieter Meyer im beschaulichen Sonthofen im Allgäu. Endlich wieder reisen!

An diesen 5 Tagen standen wir jeden Tag ca. 8 Stunden in der Küche, schnippelten Gemüse, schoben Braten in den Ofen, blanchierten, reduzierten und verzierten unsere Teller auf immer neue Weise. Wir hatten eine Menge Spaß und haben viel gelernt. Erst letzte Woche feierten wir einen Erfolg und servierten meiner Familie eine aus Demi Glace hergestellte Soße zum Weihnachtsessen.

Wir beide freuen uns sehr auf eine bessere Küche in der wir ein bisschen mehr Platz haben, um uns auszuleben. Insgesamt hat der Kurs meine Bewunderung für all die Köche in den Restaurants noch mehr gesteigert.

Brotzeit im Allgäu
Vor dem Kochkurs waren wir ein Wochenende lang wandern und haben uns die Bergkulisse schmecken lassen.

7. Restaurant Freistil im Allgäu

Ein wunderschöner Vor-Geburtstagsabend im Freistil.

Nach tagelangem selber Kochen hatten wir Lust mal wieder Essen zu gehen. Unser Ziel war das Restaurant Freistil in Ofterschwang in der Nähe von Sonthofen.

Auf dem Berg mit Blick über den Alpen wird dort saisonale, regionale und sensationelle Küche serviert. Es war ein ganz besonderer Abend, an dem einfach alles gepasst hat. Eine tolle Location, super Service und richtig gutes Essen. Ich erinnere mich besonders gern an Erbsenfalafel in Kräutertopfen und an ein herrliches Himbeer-Thymian-Sorbet.

Hier geht’s zu einem ausführlicheren Bericht.

8. Ein Mittagessen im Horváth in Berlin

Es gibt so Bilder, da bekomme ich beim Ansehen sofort Hunger…
Zwischen zahlreichen intensiven Seminartagen in Berlin blieb auch einige Zeit für kulinarische Entdeckungsreisen. Es ist August und die Welt ist beinah wieder ein bisschen normal oder zumindest haben die Restaurants geöffnet.

Zwischen dem Besuch von zahlreichen veganen Restaurants, einer sehr großen Menge Sushi von Ishin und Champagner im Café Einstein gingen Flo und ich zum Mittagessen ins Horváth.

Das Horváth war vor einigen Jahren das erste Sternerestaurant, das wir besuchten und die Tatsache, dass wir mittlerweile diesen Blog schreiben zeigt, dass uns dieses Erlebnis nicht abgeschreckt hat. Was soll ich sagen: Wir wären auch ganz allein für das Vorspeisen-Langos gekommen. Die in Fett ausgebackenen Hefeteile sind einfach ein essbarer Seelenstreichler. Ansonsten kocht Sebastian Frank zum Mittag österreichische Klassiker, die alle göttlich waren: Steinpilzcremesuppe mit gebratenen Pilzen, Lachsforelle mit Kartoffelstampf und Wiener Schnitzel. Hinterher noch schnell der beste Kaiserschmarrn, den wir jemals kosten durften und fertig ist ein Mahl, dass nach Wirtshaus klingt aber nach Gourmettempel schmeckt.

Alles in allem einfach ein Highlight! Ich freue mich hoffentlich nicht in allzu weiter Ferne für ein Abendmenü wiederzukommen.

9. Die Weinbar Weimar

Menü Weinbar Weimar

Vorsatz für 2021: Treat yourself!

Bei unserem Besuch mit der Thüringer Tourismus GmbH haben wir Blut geleckt – oder wohl eher Rotwein.

Philipp Heine und Marcello Fabbri haben in meinem geliebten Weimar ein gemütliches Restaurant eröffnet, das alles bietet, was ich mir von einem Restaurant wünsche: Ein tolles Ambiente in den alten Räumen, eine Atmosphäre, die entspannt ist, aber gleichzeitig Besonderheit ausstrahlt und zwei Profis die Küche und Getränke auf höchstem Niveau liefern.

Nachdem ich bei unserem Besuch im Juni fast vom Glauben abgefallen bin, weil ich plötzlich Tintenfisch mochte, erschien uns die Weinbar als perfekter Ort um in Flos 31. Geburtstag hineinzufeiern. Gemeinsam mit Julia, Karo und Marne hieß das Motto des Abends „Treat yourself!“. Und genau das haben wir getan, wir haben es uns mit (reichlich) Wein und wunderbarem Essen so richtig gutgehen lassen. Ob nun das weiße Tomatenrisotto, die Variationen von Pilzen oder das 3 Tage gegarte Kalb besser waren, sei dahingestellt.

Fakt ist, dass die Weinbar alles hat, was ein Lieblingsrestaurant braucht.

Hier findet ihr unseren Artikel zur Weinbar.

10. Mit tollen Kochbüchern den Lockdown versüßen

Jerusalem Kochbuch von Ottolenghi

Für ein Jahr, dass ziemlich viel auf der Couch stattgefunden hat, gibt es wenig Sofa-Bilder in diesem Artikel.

Einer kochbuchsammelnden Freundin habe ich eine besondere Erweiterung meiner Kochbuch-Bibliothek zu verdanken: „Jerusalem“ von Yotam Ottolenghi. Noch nie habe ich so viele Rezepte aus einem Kochbuch in so kurzer Zeit ausprobiert und noch nie haben sie alle geschmeckt. Zum Teil liegt das sicherlich daran, dass mittlerweile seit 2 Monaten keine Restaurantbesuche möglich sind, aber ganz bestimmt hat es auch mit den hervorragenden Rezepten des israelisch-britischen Kochs zu tun.

Zu Weihnachten gab es nun das neuste Werk von Ottolenghi für mich. In „Flavour“ geht es noch mehr um die gemüsebasierte Küche und ich freue mich schon sehr aufs Ausprobieren.

Überhaupt liebe ich es zu kochen und in der Küche kreativ zu sein. Es ist meine liebste und ermutigenste Tätigkeit, die ich derzeit habe und ich bin auch hier dankbar für Küche, genug Geld für alle Zutaten und einen gesunden Appetit.

Und 2021?

Ich hoffe, dass Vergangenheits-Mira zumindest in Bezug auf das kommende Jahr Recht behält. Zugegeben ist die Hürde das vergangene Jahr zu übertrumpfen deutlich kleiner. Also hü-hopp 2021, das schaffst du bestimmt!

Das Planen habe ich bei all den gestrichenen Urlauben und Restaurantreservierungen schon beinah aufgegeben, aber in einer Wunschwelt geht es im nächsten Jahr in den Harz zu Robin Pietsch, ins CODA und zu Tim Raue nach Berlin, nach Skandinavien in all die Traumrestaurants, die dann Platz für uns haben und außerdem nach Japan. Ha! Mal sehen was davon Wirklichkeit wird.

Ach ja außerdem wünsche ich mir eine neue Wohnung mit großer Wohnküche in der Platz für ein Ferment-Regal ist und einen Herd, der nicht alles verkohlt, außerdem einen Keller mit konstanter Temperatur für die Käseherstellung und das wir alle gesund bleiben.