Wie lernt man in kurzer Zeit die unmöglichsten Dinge mit Stäbchen zu essen? Richtig, man reist nach China. Am besten in einer Gruppe. Da hat man nämlich keine andere Wahl als schnell zu lernen, möglichst flink die unmöglichsten Dinge vom sich stetig drehenden Tisch auf den eigenen Teller zu befördern. Sonst verhungert man elendig. Glitschig sind die Gerichte manchmal, groß und knusprig ein anderes Mal, ab und an erschreckend kleinteilig oder gar halb flüssig.

Nur zwei Wochen dauerte meine Seminarreise nach China und führte mich immerhin durch 5 der 34 Provinzen des Landes. Ein kleiner Einblick in die Vielfalt Chinas. Heute habe ich massive Fortschritte in Sachen Stäbchen gemacht und auch sonst eine ganze Menge dazugelernt. Was mir alles zwischen die Essstäbchen kam, möchte ich dir heute berichten und dir 6 Tipps für Genießer in China geben.

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chinesisches Geschirr
Typisch chinesisches Essgeschirr besteht aus einem Teller, einer Schale und einem Becher für Tee.

1. Erlebe die chinesische Esskultur

Beinah das Einzige, dass deutsche China-Restaurants und tatsächliches Essen in China gemeinsam haben sind die runden Tische. Meist sitzt man mit ca. 10 Leuten an einem Tisch und teilt sich alle Speisen, die auf der runden Drehplatte (lazy Susan genannt) in der Mitte des Tisches serviert werden. Dafür nimmt man mit seinen Stäbchen einfach das herunter, was man möchte und lagert es auf seinem Teller oder im Schälchen.

Das typische Essgeschirr besteht aus einem kleinen Teller, einer noch kleineren Schüssel, Stäbchen und einer Tasse für Tee. Häufig wird das Essgeschirr vor dem Essen mit heißem Wasser ausgespült, um es zu reinigen.
Alle Speisen kommen auf den Tisch, wenn sie fertig zubereitet sind. Eine Speisefolge von Vorspeise, Hauptspeise und Dessert existiert nicht. So vermischen sich die verschiedenen Geschmäcker von salzig bis süß auf dem Teller und sorgen für spannende Kombinationen.

chinesisches Restaurant von innen

Angeblich ist die „Lazy Susan“ eine westliche Erfindung, die sich in China durchgesetzt hat.

Essen ist in China eine sehr kommunikative Angelegenheit, die sich vom typisch deutschen Restaurantbesuch unterscheidet. Statt, dass jeder sein Gericht für sich verzehrt, wird getauscht, gemischt und geteilt. Es ist höchst interessant zu beobachten, was das in einer Gruppe für Auswirkungen hat. Nicht jeder Futterneider kann warten, bis ein Gericht bei ihm am Platz angelangt und möchte am liebsten stetig an der Drehscheibe drehen. Es wird mehr über das Essen geredet, jeder kann vieles ausprobieren, manche umsorgen ihre Sitznachbarn andere kämpfen mit den Gerichten in den Servierschüsseln, wie mit einem wilden Tier.

Dazu ist es in chinesischen Restaurants laut. Was auch an den Dimensionen liegt, die mit einem durchschnittlichen Food Court in einem deutschen Einkaufszentrum zu vergleichen sind. Es gibt einfach sehr viele Menschen in China und dementsprechend riesig sind die meisten Restaurants. Und diese Menschen reden nicht nur, sie schmatzen, schlürfen und lachen. Nur die Nase würden sie sich niemals am Tisch schnäuzen, das geschieht privat auf der Toilette. Wäre ja unhöflich.

Der Besuch in einem Restaurant und ein Kennenlernen der chinesischen Esskultur sind für dich als Foodie natürlich unvermeidbar, aber meiner Meinung nach ein echtes Aha-Erlebnis.

grüne Bohnen chinesisch zubereitet

Grüne Bohnen auf chinesisch. Natürlich mit einer guten Menge Speck und Schärfe.

2. Bestelle ohne Hilfe eines Chinesen in einem Restaurant

Klingt simpel, ist es aber nicht. Denn höchstwahrscheinlich sprichst du nicht nur kein chinesisch, du kannst es nicht mal lesen! Und um das klarzustellen, Englisch kann außerhalb der westlich orientierten Großstädte wirklich niemand.

Also mit Händen und Füßen? Dazu eine Frage: Wusstet ihr, dass das Zeigen von zwei Fingern (Daumen und Zeigefinger) in China nicht etwa zwei bedeutet, sondern acht? Ihr könnt euch vorstellen, worauf ich hinaus will. China wird deine üblichen Kommunikationsmuster auf eine Probe stellen, die dir vor Augen führt, wie gewohnt du doch an westliche Verhaltensweisen bist.

Barbie mit Bacon

Eine von Lady Gaga inspirierte Speisenpräsentation?

Für mich hat die Sprachbarriere zu einem nicht zu unterschätzenden Spaß mit den Übersetzungen vom Google Translator geführt, der trotzdem (meistens) eine große Hilfe beim Versuch eine Speisekarte zu lesen, darstellt. Einige Beispiele findet ihr in meinem „China-Highlight“ auf Instagram.

Dass Speisekarten in China oft mit Bildern versehen sind, ist übrigens keine Masche für Touristen, sondern Standard. So weiß man zwar häufig trotzdem nicht, was genau man bestellt, aber zumindest kann man grob erahnen, ob es sich eher um Gemüse oder um Fischkopfsuppe handeln wird.

typisch chinesische Zutaten
Das Spektrum chinesischer Aromen, Zutaten und Geschmäcker ist breit und steckt voller Überraschungen.

Die chinesische Küche wird meist in vier bis acht Regionalküchen eingeteilt: die Kanton-Küche im Südosten Chinas, die als relativ süß gilt und einen besonders guten Ruf hat. Hier wird weniger scharf gekocht und es werden viele frische Zutaten, Reis und Fisch verwendet. Die Peking-Shantung-Küche (Nordosten), die statt Reis eher auf Weizen, Hirse und Mais zurückgreift und wo häufig Lamm und Rind gegessen werden. Hier sind gefüllte Teigtaschen und die bekannte Peking-Ente zu finden. Die Henan-Küche (Mitte) und die Sichuan-Hunan-Küche (Westen), die besonders scharf ist und wo der Sichuanpfeffer verwendet wird, der im Mund ein taubes Gefühl zurücklässt.

Die chinesische Küche in ihrer Vielfalt zu umreißen ist schwierig und kann nur unvollständig sein.
Ich habe die meisten Erfahrungen der Reise mit der kantonesischen und der Hunan-Küche gemacht und konnte auf meiner Reiseroute schon große Unterschiede bei den Zubereitungen und Geschmäckern feststellen. Je weiter Richtung Westen ich mich bewegte umso schärfer wurde es beispielsweise.
Du solltest also nicht versäumen, deinen kulinarischen Horizont auch innerhalb von China zu erweitern.

chinesische Teezeremonie

Kein Tee ohne Google Translator! Wie hat das bloß früher ohne Technik funktioniert?

4. Trinke Tee

Bei Teezeremonien denken viele erst an Japan, dabei hat die japanische Teekultur ihre Wurzeln in China. Die chinesische Teekultur ist ein bedeutender Teil der chinesischen Kultur und daher solltest du nicht verpassen sie hautnah zu erleben.

Bei der chinesischen Teezeremonie werden zunächst die Teeschalen und die Kanne mit heißem Wasser gereinigt und vorgewärmt. Das nicht benötigte Wasser wird weggeschüttet, wofür es einen Abfluss in den traditionellen Teetischen gibt. Dann wird der Tee aufgegossen. Der erste Aufguss wird sofort entsorgt und erst der zweite wird getrunken. Es folgen je nach Qualität des Tees erneute Aufgüsse, bei denen du feststellen wirst, das jeder ein bisschen anders schmeckt.

Tee aus China

Tee wird in China häufig in komprimierten „Discs“ verpackt und verkauft

Welcher Tee zubereitet wird, unterscheidet sich von Region zu Region, besonders verbreitet sind Oolong-Tee, Pu-Erh-Tee und grüner Tee.
Ich habe meine Erfahrungen auf dem Teemarkt in Guangzhou gemacht, wo größtenteils Pu-Erh-Tee getrunken wird.
Einen Ausflug zum riesigen Teemarkt, der einer Aneinanderreihung von Teestuben entspricht, kann ich dir übrigens nur empfehlen.

Hühnchen in Teeblättern

Hühnchen in Teeblättern: im Aussehen nicht so gewöhnungsbedürftig wie viele andere Fleischgerichte

5. Erlebe, dass du Tiere isst

Vorweggenommen: bist du Vegetarier? Dann wirst du schnell herausfinden, dass das chinesische Verständnis von fleischlosem Essen sich von deinem stark unterscheiden wird. Denn das dein Gemüse großzügig in tierischem Fett angebraten wurde zählt doch kaum, oder? Auch die wenigen Stück Speck oder Fleisch sind zu vernachlässigen. Komplett auf tierische Produkte zu verzichten wird eine größere Herausforderung, als du vielleicht jetzt gerade denkst.

Aber selbst wenn du gern Fleisch isst, wird die Zubereitung dich möglicherweise etwas überraschen. Die Komposition Fleisch, Gemüsebeilage und Sättigungsbeilage existiert in China nicht in dieser Form. Alle Gerichte stellen eine Einheit dar und Fleisch ist deutlich als solches zu erkennen. Meist wird es zubereitet und erst dann in mundgerechte Stücke zerteilt. Das heißt, dass du in deinem Essen allerlei Knochen und Knochensplitter finden wirst. Von Gräten nicht zu schweigen und auch dass der Kopf des Tieres stolz präsentiert wird ist keine Seltenheit.

Dich nicht an Knochen zu verschlucken und sie einigermaßen elegant aus deinem Mund zu entfernen erfordert etwas Übung. Es führt dir aber auch unmissverständlich vor Augen, was du da gerade isst: ein Tier.

Tofuhaut

Tofuhaut ist sehr dünner Tofu, der nicht nur vom Aussehen etwas an frische Pasta erinnert 

6. Ausprobieren!

Du hast ein paar Gerichte identifiziert, die dir schmecken? Jetzt tappe bloß nicht in die Falle und bestelle nur noch das Gleiche.
Es gibt so viel zu entdecken!
Hier ein paar Dinge, die du meiner Meinung nach nicht verpassen solltest:

1. Tofu in allen Varianten: In Panade frittiert, als Stinky Tofu fermentiert, leicht nach Gorgonzola schmeckend und grauenhaft stinkend, als Tofu-Haut in dünnen Bahnen oder einigermaßen klassisch in weißen Würfeln. Während mir Tofu in Deutschland oft zu langweilig ist, ist die Vielfalt in China total spannend und abwechslungsreich.

2. Hot Pot: die chinesische Variante von Fondue ist eine kommunikative und leckere Angelegenheit. Du kannst nach Herzenslust Gemüse und Fleisch bestellen, dass du dann in deinem Hot Pot garst. Soßen zum Dippen kannst du dir dafür meist selbst mischen und ganz nach deinen Vorlieben gestalten.

chinesische Dumplings

Chinesische Dumplings können mit allem möglichen gefüllt sein: Gemüse, Fleisch oder flüssigem Entenei

3. Pork Belly: die Chinesen haben keine Angst vor Fett und auch nicht vor einer ganzen Menge Geschmack. Wenn dir das zusagt, solltest du Schweinebauch unbedingt probieren. Knackig und doch schmelzend weich, voll mit Salz und oft in süßlicher Soße. Köstlich!

4. Dumplings: es gibt massenweise verschiedene Arten von gefüllten Teigtaschen in China. Egal, ob vegetarisch oder mit Schwein oder Ente gefüllt sind sie eine traditionelle Versuchung der Extraklasse.

chinesische geschmorte Auberginen

Mein kulinarisches Highlight der Reise: geschmorte Auberginen

5. Auberginen: selbst wenn du kein großer Fan des lila Gemüse bist, in China schmecken Auberginen anders. Meist werden sie geschmort und in einer kräftig gewürzten Soße in einem Tontopf zubereitet. Mein liebstes Gemüse in China!

6. Eat your Greens: die geschmackliche Vielfalt von Kohl lässt sich in China gut erleben, Pak Choi, chinesischer Brokkoli, langer dünner chinesischer Blumenkohl oder Wasserspinat. Alles ist grün, knackig und sehr lecker und fehlte bei mir an fast keinem Abend auf dem Tisch.

chinesischer Kohl für Hot Pot

Ob Lotuswurzel, Kohl oder Pilze, in China gibt es so viel spannendes Gemüse

Lust auf China bekommen? Ich bin begeistert von der chinesischen Küche und hätte gern noch so viel mehr probiert.
Hast du schon Erfahrungen gesammelt, die in diesem Artikel fehlen oder hast du Fragen? Schreibe sie in die Kommentare.