Colombo ist eine ziemlich hektische Stadt, TukTuks düsen wild über Straßen, auf denen keine Verkehrsregeln erkennbar verfolgt werden, es ist laut und es riecht oft unangenehm. Doch überall in der Stadt gibt es kleine Oasen. Innenhöfe, in denen Brunnen plätschern und man plötzlich die Vögel singen hört.
Kurz Luft holen, einen Tee trinken – danach sehnen sich vor allem Touristen, die diesen ganzen Trubel nicht gewöhnt sind.

Fancy essen gehen in Colombo, Sri Lanka
Rare at Residence Colombo

Traumhaftes Idyll in Sri Lankas Hauptstadtgewusel: das Rare at Residence

Durchatmen heißt es auch für uns, als wir den Hof des Uga Residence Hotels betreten. Wir sind von unserem, weitaus weniger spektakulären, Hotel hierher gelaufen und wurden an die fünf Mal fast überfahren. Laufen ist nicht unbedingt die populärste Fortbewegungsmethode in dieser Stadt. Doch wir haben überlebt und stehen nun andächtig in der Ruhe der pompösen Einfahrt dieses weißen Kolonialbaus.
Einst hat hier die einflussreiche Moosajee-Familie gelebt und in den Räumlichkeiten Maharadschas, britische Gouverneure und europäische Adlige bewirtet. Heute handelt es sich um ein exklusives Boutique-Hotel mit 10 Zimmern, die sich um einen Innenhof mit Pool gruppieren.

So viel hat sich also gar nicht geändert, hier werden immer noch reiche Menschen aus Europa gnadenlos verwöhnt. Das Hotel ist wunderschön und wir staunen nicht schlecht als wir durch die elegante weiße Lobby laufen.

Essen gehen Colombo

Seit kurzem haben wir ein Faible für Rotwein. Vor allem wenn er so gut ist wie dieser.

Das Restaurant Rare befindet sich an einer Seite des Innenhofs, in dem sich der, mit Kerzen beleuchtete, Pool befindet. Obwohl die Temperaturen am Abend angenehme 26 Grad betragen, rät uns der Kellner davon ab, draußen Platz zu nehmen. Zu viele Moskitos. Die Einrichtung im Innenraum ist schlicht und modern und nährt sich vollkommen vom Blick durch die große Glasfront nach draußen.

Der Blick in die Karte ist in zweierlei Hinsicht beruhigend. Erstens ist die Auswahl fabelhaft, zweitens sind die Preise (die Online nicht zu finden sind) mehr als human und bewegen sich in der Spanne von 1000 bis 5000 Rupien und somit zwischen 5 und 25€. Wie wir noch feststellen werden, ein Witz für die gebotene Qualität. Während die Übernachtungspreise in Colombo ähnlich zu denen in Europa sind, kann man in der Stadt für sehr wenig Geld sehr gut essen.

Wir entscheiden uns an diesem Abend für gebeizten Lachs sowie Thunfisch als Vorspeise, für ein Rindersteak und Lammkarree als Hauptspeise und für Sorbet und Schokoladenmousse als Dessert. Nichts davon klingt nach Sri Lanka, aber unser Bedarf an Reis und Curry ist auch fürs Erste gedeckt.

Bester Roti Colombo

Der traiditionelle Roti in ungewohnter Umgebung.

Doch ein bisschen landestypisches steckt auch in dieser Küche: Als Amuse-Gueule wird uns ein kleiner Roti mit Paprika, Oliven, Käse und einer intensiven Tomatensoße kredenzt. Rotis sind kleine, in Sri Lanka typische ungesäuerte Fladenbrote, die mit allerlei Toppings serviert werden. Der Roti ist in diesem Fall ungewohnt fluffig und erinnert eher an einen herzhaften Pfannkuchen. Die Toppings sind sehr lecker. Unnötig ist jedoch das Rote Bete Püree, das wohl eher zur farblichen Akzentuierung dient, als das es geschmacklich wichtig ist.

Essen gehen Colombo

Gebeizter Lachs auf eingelegtem Rettich.

Zusätzlich bringt uns der aufmerksame Kellner drei Sorten Brot und drei Sorten Butter. Dazu gesellt sich ein hervorragendes Pflaumenchutney mit intensiver Zimtnote.
Das Brot ist bis auf das Focaccia unspektakulär, aber überhaupt gutes Brot in Sri Lanka zu essen, ist ja schon eine Erwähnung wert. Auch die Butter ist so reizlos, wie wir es eben in Asien erwarten. Neben normaler Butter wird Paprikabutter gereicht und eine, die geschmacklich sehr zart an Gorgonzola erinnert.

Die Vorspeisen:

Bei beiden Vorspeisen haben wir uns für Fisch entschieden.
Der gebeizte Lachs kommt auf einem Bett aus sauer eingelegtem Rettich und überzeugt auf ganzer Linie. Der Fisch ist sehr geschmacksintensiv, harmoniert ideal zum Rettich und wird durch die knackigen Sprossen perfektioniert, die auf dem Fisch thronen.

Thunfisch Curry

Thunfisch auf Sweet Corn Salsa.

Beim Thunfisch hat es in der Küche leider gehapert, denn er ist eiskalt und kommt wohl ganz frisch aus dem Tiefkühler. Dadurch schmeckt er leider nach gar nichts und reißt auch die wunderbare Salsa aus Zuckermais mit ins Verderben, wenn sie zusammen auf einer Gabel landen. Vermeiden wir dies, dann ist die Soße sehr lecker. Auch die einzelnen Maiskörner sind spannend und schmecken intensiv nach Koriander. Zusätzlich findet sich noch geräucherter Lauch auf dem Teller, der dem Gericht eine weitere spannende Komponente hinzufügt.

Rinderfilet Colombo

Ein perfekt gebratenes Rinderfilet auf Kartoffelpüree.

Die Hauptspeisen:

So fischig wie unsere Vorspeisenauswahl ausfällt, so fleischig wird es bei den Hauptspeisen. Wir entscheiden uns für ein Rinderfilet auf Kartoffelpüree mit einem Jus aus Barbaresco (einem Rotwein) und Tomatenconfit.
Wie bestellt ist das Steak rare gebraten. Oft passiert es, dass wir dann zwar ein gut gebratenes aber kaltes Steak erhalten. Vielleicht liegt es am Namen, denn hier im Rare passiert das nicht. Das Filet ist tadellos zubereitet. Auch das sämige, leicht käsige und cremige Püree ist wunderbar.

Foodblog Colombo

Deftiges Lamm auf Gorgonzolapüree.

Die zweite Hauptspeise steht der ersten in nichts nach. Das Lammkarree ist ebenfalls perfekt gebraten, schmeckt frisch und saftig. Der ohnehin kräftige Lammgeschmack wird ideal durch das dazu servierte Gorgonzolapüree unterstrichen. Kräftig und kräftig verträgt sich in diesem Fall sehr gut.

Taylor’s First Estate Reserve Port. Lecker!

Die Getränke:

Zum Dessert gönnt sich Flo einen Reserve Portwein von Taylor’s der erstaunlich unsüß ist und unsere ohnehin schon sehr gute Getränkeauswahl abrundet. Zu den Hautspeisen hatten wir einen super leckeren Pinot Noir (Bouchard Aîné & Fils, Macon-Villages) und einen Chianti (Villa Vistarenni, Sangioverse), die beide absolut fabelhaft waren.

Mousse au Chocolat

Salz und Olivenöl hilft diesem Mousse au Chocolat auf die Sprünge.

Die Desserts:

Ansonsten wählen wir aus einer riesigen Liste zwei Sorten Sorbet. Tamarinde und Thymian-Ananas sollen es sein. Außerdem bestellen wir ein Schokoladenmousse mit Meersalz und Olivenöl.
Beide Sorbets sind fruchtig. Ananas und Thymian vertragen sich sehr gut, jedoch ist das Sorbet leider etwas zu süß für unseren Geschmack. Auch das Tamarinden Sorbet ist sehr süß, dahinter geschmacklich jedoch gut. Gereicht wird es zusammen mit einer bräunlichen Soße, die vermutlich ebenfalls aus der Tamarinden-Schote besteht. Sie schmeckt leicht nach Cola.

Das Schokoladenmousse ist keine Offenbarung, aber die Idee es mit Salz und Olivenöl zu verfeinern ist toll. Bei genauerem Nachdenken, gibt es aber auch wenig, was durch Zugabe dieser beiden Zutaten nicht besser wird.

Boutique Hotel Colombo

Und noch einmal, weil es so schön ist.

Irgendwie widerstrebt es mir, ein so auf den europäischen Gaumen ausgerichtetes Restaurant in Colombo unmissverständlich zu empfehlen, aber es ist einfach gut. Es lohnt sich und ihr solltet unbedingt hingehen, falls ihr mal in der Stadt seid!
Nicht nur wegen des Essens, sondern auch weil die Atmosphäre toll ist und der Service passt.
Natürlich kann man in Colombo günstiger essen, aber an europäischen Maßstäben gemessen, sind die Preise für die gebotene Qualität mehr als fair.

Wir setzen uns nach diesem ziemlich ausladenden Abendessen noch kurz an den Pool und wünschen uns, dass wir ein Zimmer in diesem traumhaften Hotel hätten. Irgendwann vielleicht. Bis dahin kann ich nur dringend empfehlen, dem Rare einen Besuch zum Essen abzustatten.

  • Gaumenwertung 8,5/10
  • Gesamterlebnis 8,6/10
„Sensationell, wir wollen nicht aufhören zu essen!“
DETAILIERTE BEWERTUNG
Mira
Flo
Mira&Flo
Gaumen 8,5/10 Gaumen 8,5/10 Gaumen 8,5/10
Getränke 9,0/10 Getränke 9,0/10 Getränke 9,0/10
Atmosphäre 8,5/10 Atmosphäre 8,5/10 Atmosphäre 8,5/10
Service 8,0/10 Service 8,0/10 Service 8,0/10
Gesamterlebnis 8,6/10 Gesamterlebnis 8,6/10 Gesamterlebnis 8,6/10

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