Nicht mit einem Vorsatz, sondern mit einem Versprechen möchte ich den ersten kulinarischen Jahresrückblick auf unserem Blog beginnen: Nächstes Jahr werde ich all mein Essen fotografieren. Ganz bestimmt!
Dann werde ich nicht vor dem Problem stehen, das mich jetzt ereilt hat: der Mangel an Bildern zum Text.

Bei unseren 10 Highlights handelt es sich um ganz verschiedene Gerichte und Erlebnisse, die uns kulinarisch in irgendeiner Art beeindruckt haben. Mehr Vorankündigung soll es auch gar nicht geben. Hier sind sie, die 10 kulinarischen Highlights von How to Gourmet in chronologischer Reihenfolge:

1. Fish and Chips im Fish! at Borough Market, London

Fish and Chips London

Nicht mal vom Borough Market habe ich ein Foto gemacht. Also gibts einfach was schönes aus Notting Hill.

Wir waren 2018 auf großer Reise. Das spiegelt sich auch in unseren kulinarischen Highlight wider. Unsere erste Station führte uns im April nach London. In der Nähe unserer Unterkunft schlenderten wir über den sehenswerten Borough Market, wo unser Blick schnell an einer Fish-and-Chip-Bude hängen blieb. Gewinner des „National Fish-and-Chip-Awards“ stand dort in großen Buchstaben über der Theke. Wir hatten keinen großen Hunger, konnten aber doch nicht widerstehen und teilten uns eine Portion dieses englischten aller Fastfood-Gerichte. Unter den zahlreichen Auswahlmöglichkeiten von Fisch entschieden wir uns ganz klassisch für Kabeljau.

Wir knusperten uns durch den knackigen Backteig, hinunter zum Fisch, der einfach unfassbar saftig und zart war. Obwohl wir auch noch beim zweimaligen Sieger des „Best Fish and Chip Shop in Scotland Award“ und des „Best Fish and Chip Restaurant Award“ waren, so blieben die Fish and Chips in London doch die besten, die wir in 6 Wochen Großbritannien gegessen haben.

https://www.fishboroughmarket.com/

2. Forest Side, Grassmere

Forest Side Lake District

Das nenne ich mal fancy Kartoffelchips. Ein kleiner Snack zu den Cocktails vor dem Abendessen.

Eine lange gewundene Einfahrt führte uns zu einem englischen Herrenhaus, mitten im Lake District im Norden Englands. An der Tür des herrschaftlichen Anwesens prangte ein Michelin-Stern. Forest Side, so heißt das Hotel, in dem das zweite Highlight des Jahres auf uns wartete. Hier erlebten wir zum ersten Mal die schöne britische Eigenart, dass vor dem Essen erst einmal ein Cocktail im Salon serviert wird. Die Abendsonne schien in unsere Gesichter, als wir uns auf die bequemen Sessel setzten und machte den Abend sofort perfekt. Es folgte ein Degustationsmenü mit Spezialitäten aus Cumbria, die uns teilweise ziemlich umhauten. Besonders in Erinnerung habe ich einen wunderbaren Rhabarber-Crumble.

Wir hatten so einige Sprachschwierigkeiten in diesem Restaurant und wussten ziemlich oft nicht, was wir gegessen haben, aber wir probieren ja erstmal alles. Es bleibt immer noch die Frage, ob es sich bei „Outback Jack’s Sea Pig Take Two“ um Meerschweinchen handelt.
Die außergewöhnliche Qualität, der perfekte Service und das wunderschöne Ambiente machen das Forest Side zu unserem besten Restauranterlebnis in 2018.

https://www.theforestside.com/restaurant/

Ein paar Eindrücke vom Forest Side gibt es auch in diesem YouTube Video, das wir im Lake District aufgenommen haben.

3. Kinloch Lodge, Isle of Skye

Kinloch Lodge Skye

Heilbutt mit gebratener roter Bete und Blumenkohl auf Perlgraupen.

Ja, mit den kulinarischen Hochgenüssen aus dem oft so schlechtgeredetem Königreich ist es noch nicht vorbei. Auch aufgrund von Ambiente und Lage schafft es die Kinloch Lodge, mitten auf der wilden Isle of Skye, auf unsere Bestenliste. Doch auch das Mittagsmenü, welchen wir dort genossen haben ist durchaus nicht zu verschweigen. Besonders die Paprikasuppe, die es als Vorspeise gab und der extrem frische Heilbutt waren absolute Genüsse. Ansonsten war es einfach ein tolles Erlebnis hinter dicken Vorhängen in die raue Landschaft zu schauen, sich am Kamin zu wärmen und sich über den gelebten Personenkult um Koch Marcello Tully lustig zu machen. Dieser hatte nach 7 Jahren seinen Michelin-Stern verloren, was jedoch nicht dazu führte, dass es uns weniger gut schmeckte.
https://kinloch-lodge.co.uk/

4. Grange Inn, St. Andrews

Grange Inn St Andrews

Die Aussicht auf St. Andrews.

Vier für schottische Verhältnisse völlig untypische, sonnige Tage verbrachten wir mit unseren Freunden Drew und Elisa in der Kleinstadt St. Andrews. Die tolle Zeit mit Wanderungen, Risiko-Partie und Golfspiel wollten wir gemeinsam bei einem schönen Abendessen ausklingen lassen. Eine Fensterfront mit Sprossenfenstern, die den Blick auf die Stadt und das Meer freigab, überzeugte schon auf den ersten Blick vom Grange Inn. Und dann das Essen! Eine super Qualität, sympathischer Service und ein wunderschöner Speiseraum, überraschten und begeisterten uns. Dazu war das Preis-Leistungs-Verhältnis auch noch absolut hervorragend. So ein schöner Abend!
https://thegrangeinn.com/

5. Afternoon Tea

Afternoon Tea

It’s Tea Time! Afternoon Tea in der wunderschönen Widbroook Grange, am ersten Sommertag des Jahres.

Jetzt zum letzten kulinarischen Erlebnis aus Großbritannien: Eine kulinarische Tradition, die wir kennen und lieben gelernt haben. Cream Tea bzw. Afternoon Tea. Die englische Teepause.
Cream Tea bezeichnet einen Nachmittagsimbiss, der typischerweise aus einer Kanne leckerem schwarzen Tee (meist English Breakfast) mit Milch, Scones (süßem brötchengroßem Gebäck), Clotted Cream (Rahm) und Marmelade (meist Erdbeere) besteht.
Afternoon Tea ist die gesteigerte Version zu Cream Tea, bei der auch noch Sandwiches gereicht werden. Meist wird eine Afternoon Tea Mahlzeit wunderhübsch auf einer Etagere serviert.
Es ist einfach gemütlich bei einem Tee zusammenzusitzen und den Tag pausieren zu lassen. Außerdem sind Scones der perfekte Imbiss an einem ereignisreichen Sightseeing-Tag. Süß wie Kuchen, aber doch sättigend und so lecker! Kein Wunder, dass auf unserer Reise kaum ein Tag ohne Cream Tea verging.
https://www.widbrookgrange.co.uk/

6. Shiori, Berlin

Omakase Shiori

Ein Omakase-Menü steckt voller Überraschungen. Du weißt nie, was als nächstes auf deinem Teller landet.

Nur ein freier Abend in Berlin? Nach einer ereignisreichen Seminarwoche standen wir vor der großen Frage, welches Restaurant wir dieses Mal in der Hauptstadt besuchen wollten. Wir entschieden uns für das Shiori. Ein kleines sehr intimes japanisches Restaurant, welches täglich nur 10 Gäste bewirtet. In einem fulminanten Omakase-Menü lernten wir eine Menge über japanisches Essen und die japanische Esskultur. Ein echtes Erlebnis!
Wenn ihr euch fragt, was Omakase ist, empfehle ich euch den Blogartikel zum Thema.
http://www.shioriberlin.com/

7. Greenberg’s Deli, Las Vegas

New York Hotel Las Vegas

Mit viel Fantasie fühlt man sich im Greenberg’s Deli wirklich wie in New York.

Auf unserem Flug nach Las Vegas fanden wir keine Sekunde Schlaf. Unbequem, eng, Bordunterhaltung. Ihr kennt das. Selbstverständlich war unser Jetlag dementsprechend extrem. Wie lebende Tote stampften wir an unserem ersten Abend durch die grellen Lichter von Las Vegas. Ich bin mir fast sicher, dass ich in der Warteschlange im Greenberg’s Deli kurz an Flos Schulter eingeschlafen bin. Deswegen kann ich auch gar nicht mehr genau sagen, welche zwei Sandwiches wir in dem Lokal im New York-New York Hotel bestellten.

Genau erinnere ich mich jedoch an den Geschmack. Eine mindestens 5 cm dicke Schicht von dünnem Fleisch, knackiger Salat, in Salz eingelegte Gurke und eine tolle Sauce. Sehr viel Belag, aber dennoch nicht überladen. Dazu eine Brotqualität, die ich am ersten Tag in den USA noch überhaupt nicht zu würdigen wusste. Typisch amerikanisch waren die Sandwiches riesig, weswegen wir die Reste, in Servietten gewickelt, mit in unser Hotelzimmer nahmen. Als, dem Jetlag sei Dank, um 3 Uhr morgens nicht mehr an Schlaf zu denken war, verspeisten wir die Überbleibsel. Dann waren sie noch leckerer als am Vorabend.

8. In-n-Out Burger

In-out-Burger Roadtrip USA

Auf einem Roadtrip an der Westküste der USA steht auch mal Fastfood auf dem Speiseplan.

Ich bin kein Fan von Fastfood. Seit Jahren war ich nicht mehr bei McDonalds oder Ähnlichem und plane auch nicht das zu verändern. Dennoch wollten wir in den USA auch Fastfood ausprobieren, denn schließlich gehört es dort zur (Ess-)kultur dazu. Flo hatte von einem vergangenen USA-Trip gute Erinnerungen an In-n-Out-Burger. Die Burger-Kette, die offiziell nur drei verschiedene Burger-Variationen verkauft, gibt es nur im Westen der USA, sowie in Texas und Oklahoma. Sie wirbt damit, dass das verwendete Fleisch nie eingefroren wird und alle Burger frisch nach der Bestellung zubereitet werden. Die Pommes werden direkt neben der Fritteuse aus ganzen Kartoffeln geschnitten. Neben dem offiziellen Menü gibt es ein, mehr oder weniger allgemein bekanntes, geheimes Menü. Mit bestimmten Codeworten können die Gäste Burger ohne Brötchen in einem Salatmantel oder Pommes mit Käse, Sauce und Röstzwiebeln bestellen. Nach letzterem dachte ich, ich explodiere, dennoch waren unsere Roadtrip-Stopps bei In-n-Out Burger leckere, fettige und tolle Erlebnisse. Sie zeigen, dass auch klassisches Fastfood schmecken kann.
http://www.in-n-out.com/

9. Pete’s Meat, Vancouver

Kanada See

Drei Tage verbrachten wir in der Cabin am See mit Schwimmen, Boot fahren und Barbecue.

Warum gibt es in Deutschland so selten tolle Fleischer? Solche mit großen Qualitätsansprüchen, einem super Angebot und einem ansprechenden Laden. Pete’s Meat, ein Fleischer in der Nähe der Wohnung unserer Freunde aus Vancouver, steht hier stellvertretend für die nordamerikanische Fleischkultur. Wir essen im Alltag sehr wenig Fleisch, sind aber beide große Fans von gutem Rindfleisch. Die tollen Steaks, die wir, vor allem in Kanada, zusammen mit unseren Freunden Julia und Justin selbst grillten und an lauen Sommerabenden am See oder auf der Terrasse verspeisten, waren für uns ein Erlebnis. Ein Barbecue in Nordamerika ist ganz anders als Grillen in Deutschland (was natürlich auch schön ist).
Die Abende mit perfekt gegrilltem Rib Eye Steak, Cornbread und süßen, in der Schale gegrillten Maiskolben, gehören definitiv zu unseren Highlights des Jahres.
https://www.petes-meat.com/

10. Vini da Arturo, Venedig

Vini di Arturo Venedig

Wunderschönes Venedig!

Wenn wir nicht essen, dann schauen wir auch gerne Filme, YouTube-Videos oder Serien über Essen. Irgendwann im letzten Winter sahen wir eine Folge der Netflix-Serie „Somebody feed Phil“, die in Venedig spielt.

Der Protagonist der Dokumentarserie isst darin ein riesiges paniertes Kotelett, welches in einer geradezu absurden Menge Essig gebraten wird. Wir wollten es uns nicht nehmen lassen, das selbst auszuprobieren. Etwas peinlich berührt saßen wir zusammen mit unseren Freunden Julia und Marne in dem winzigen Restaurant und outeten uns mit unserer Bestellung sofort als Fans der Serie. Bei den ersten Bissen des Koteletts wurden unsere Zungen taub. So viel Essig! Irgendwann wandelte sich der Geschmack wundersamerweise von unangenehm sauer zu seltsam süß. Wir wurden weiterhin misstrauisch vom Personal beäugt. Bis Flo etwas entscheidendes tat: es knabberte den Knochen des Schnitzels ab. Plötzlich war die Stimmung gelöst, der Kellner freute sich enorm und ließ es das ganze Restaurant wissen. Inhaber Arturo klopfte Flo auf die Schulter. Dieser seltsame Abend gehört auf irgendeine Art zu den Highlights. 

Der Serie haben wir außerdem zu verdanken, dass wir im Nobelkaufhaus „Fondaco Dei Tedeschi“ mit riesigem Interesse an einem Verkostungsstand stehen geblieben sind. Dort konnten wir 25 Jahre gereiften Balsamico Essig aus Modena probieren. Noch mehr Essig, aber ganz anders! Die Vielfalt von Geschmäckern, die diese Flüssigkeit hervorruft ist erstaunlich. Diese Erkenntnisse über Essig veränderten auf jeden Fall meine Sichtweise auf dieses Produkt.

 

Was sind eure kulinarischen Highlights des Jahres? Schreibt sie doch in die Kommentare.

Facebook

Facebook Pagelike Widget

Instagram