(Achtung, Werbung! Wir verlosen in diesem Beitrag einen Gutschein. Ansonsten haben wir keine Bezahlung oder Gegenleistung für das Verfassen und Veröffentlichen des Interviews erhalten).

Weil Masami Rudolph in Thüringen nirgends authentische japanische Ramen finden konnte, hat sie vor 7 Jahren beschlossen selbst eine Ramen-Küche in Jena zu eröffnen. Dafür hängte sie ihren Job als HNO-Ärztin an den Nagel. Nun eröffnet Masami mitten in der Corona-Krise die zweite Filiale von „JEN – Japanische Ramen Küche“ am Erfurter Anger. Ich treffe Masami zum Gespräch im neuen Restaurant, in dem parallel Suppe gekocht und die letzten Bauarbeiten abgeschlossen werden und frage nach, wie die Neueröffnung so läuft.

Jen Ramen Neueröffnung Erfurt
Masami Rudolph Jen Ramen Nereröffnung Erfurt

Ab jetzt gibt es die Ramen nicht mehr aus dem to-go Becher sondern aus original Geschirr aus Japan

Hallo Masami, schön dass du dir in dieser turbulenten Zeit einen Moment für dieses Interview nimmst. Mich interessiert natürlich zuerst, wie du überhaupt zur Gastronomie gekommen bist.

 Ich komme aus Japan, aus Tokio direkt. Ich wohne aber schon seit 20 Jahren in Deutschland. Ich habe in Japan Medizin studiert, aber bin dann zu meinem Mann in die USA und dann nach Deutschland gekommen. Ich hatte noch keine deutschen Sprachkenntnisse und habe erst einmal in der Forschung gearbeitet. Mit deutsch habe ich von Null angefangen und habe dann später wieder als Medizinerin gearbeitet. Zuerst in Ulm, wo ich meinen Hals-Nasen-Ohren-Facharzt gemacht habe. Seit 7 Jahren wohne ich in Jena. Ich habe dann hin und her überlegt, was mache ich für den Rest meines Lebens? Soll ich nochmal mit Medizin anfangen? Oder mache ich etwas, das nur ich machen oder anbieten kann?

Ich habe selber nie gedacht, dass es so kommen könnte. Vor 10 Jahren gab es diesen Gedanken noch gar nicht. Meine Oma war nach dem Krieg sehr arm und kam aus Taiwan. Sie hat damals diese Nudelsuppe mit dem Wagen verkauft und meine ganze Familie sind Geschäftsleute. Vielleicht kam es dadurch? Vielleicht hatte ich dadurch unbewusst das Herz bei diesem Thema.

Für mich war es sehr schwer zu sehen, dass in Deutschland viele Kinder nur Spaghetti mit Ketchup oder Pommes essen. Ich habe zwei Kinder und wenn Zuhause Freunde kamen, dann habe ich gemerkt, was biete ich an? Sie können dann essen, was ich koche, aber sie kennen die Geschmacksrichtungen wie Sojasoße nicht. Aber wenn ich koche, dann lieben sie das und wollen mehr haben.

japanaisch Ramen essen Erfurt

Während der kurzen to-go Phase haben wir die Ramen schon probiert 

Und wie kam es dazu, dass du ausgerechnet eine Ramen-Küche eröffnet hast?

Die Nudelsuppe Ramen ist in Japan sehr beliebt und es gibt sie an jeder Ecke. Jeder Chefkoch macht sie individuell nach seiner Geschmacksrichtung, die man dann nur bei ihm essen kann. Es gibt eine so große Vielfältigkeit der Gerichte und in Tokio gibt es so viele Ramen-Restaurants.

Ich konnte Ramen früher selber zuhause nicht so gut machen, weil der Aufwand so groß ist. Und in Jena war es so schwierig dieses Gericht in einem Restaurant zu bekommen. In Ulm konnte ich dafür noch nach Stuttgart oder München fahren und habe dort ähnliches gefunden, damit war ich zufrieden. Aber in Jena, da musste ich nach Berlin oder Frankfurt und das sind ja schon 2-3 Stunden. Und dann dachte ich, ich muss es selber machen.
Witzigerweise ist Ramen gar nicht das Gericht, was ich am meisten vermisse und was ich zuerst esse, wenn ich in Japan bin, das ist Sushi. Aber Ramen ist in meinem Kopf so mit der Zeit verbunden in der ich jung war, Studentin war, das ist irgendwo hängengeblieben. Diesen Geschmack habe ich mit der Zeit mehr vermisst. Und da ich es nicht alleine für mich selber machen konnte, dachte ich dann okay, dann muss ich selber ein Restaurant eröffnen.

Aber du stehst nicht selber in der Küche, oder?

Doch, doch. Von Anfang an, zusammen mit einem Chefkoch, der schon in Japan 8 Jahre lang als Koch gearbeitet hat. Er ist noch ganz jung aber er kann es sehr gut. Ich habe auch mehr Mitarbeiter gesucht, aber viele kennen weder Miso noch Sojasoße.

Die letzten vier Jahre waren sehr viel Arbeit und ich musste ein gutes System für alles entwickeln. Vom Einkauf bis auf den Tisch. Denn es kommt bei uns nichts aus der Tüte. Wenn man in den Großhandel geht, dann sieht man, dass man dort sogar schon fertig geschälte Kartoffeln kaufen kann. Das machen wir gar nicht, wir schälen immer noch Kartoffeln. Kochen eigene Eier. Unsere Nudeln machen wir selber aus Dinkelmehl. Wir wollen nur natürlichen Geschmack und natürliche Zutaten.

Es gibt ja Ramen, das eher ist wie Instant-Nudeln, das mag ich nicht. Meine Idee ist, zu kochen, was ich ja selber jeden Tag essen möchte, gesundes, natürliches authentisches japanisches Essen, aber mit lokalen Produkten. Ich arbeite mit vielen regionalen Firmen zusammen. Unsere Ramen sind gesund und die kann ich jeden Tag essen. Wir bieten auch viele vegane Ramen an, was es in Japan so nicht gibt.
Mein Chefkoch isst hier vier Mal pro Tag. Jeden Tag Ramen. Er ist so ein Freak!

Jen Ramen Erfurt Anger

Blitzeblank wartet die offene Küche darauf, dass endlich Leben ins Restaurant einkehrt

Wie kam es dazu, dass du eine zweite Filiale eröffnet hast?

In Jena habe ich leider schnell gemerkt, dass das Restaurant sehr klein war, sehr eng. Viele Leute wollen sich Zeit nehmen und in Ruhe essen. Größere Reservierungen oder Geburtstagsfeiern konnte ich gar nicht anbieten.
In Japan ist das alles ein bisschen anders. Da ist Ramen Streetfood und die Leute nehmen das unterwegs zur Arbeit mit und essen dann ganz schnell und sind damit zufrieden. In Europa ist die Kultur ganz anders und daran muss ich mich anpassen.
Das Restaurant in Jena war am Anfang okay, aber leider war das Objekt einfach sehr klein. Ich würde mich gern bei Gelegenheit vergrößern, aber mal sehen ob das irgendwann möglich ist.

Ich habe dann immer etwas geguckt und vor zwei Jahren habe ich dann dieses Objekt in Erfurt zufällig gesehen. Das ist schon vor zwei Jahren gewesen. Das war kein ganz so leichter Weg aber jetzt sind wir da.

Planst du noch mehr Filialen zu eröffnen?

Mein Ziel ist es eigentlich gutes Essen nach Hause zu bringen. Wir sind dabei unsere eigenen Produkte herauszubringen. Wir haben zum Beispiel frische Nudeln, die eingepackt werden und zu Hause gekocht werden können, aber das wird noch nicht so gut angenommen. Vielleicht haben die Leute ein bisschen Angst, dabei ist es wie Spaghetti kochen und man isst sie dann einfach mit Soße oder Suppe.
Solche Produkte möchte ich mehr anbieten.
In ganz Deutschland Filialen, das möchte ich nicht.
Hier im Restaurant kann unser Chefkoch kreativ sein und die Leute inspirieren, es kann wie ein Showroom sein und dann können die Leute zuhause auf ihre Art kochen.

Japanische Spezialitäten in Erfurt kaufen

Einige erste Produkte können im Restaurant schon gekauft werden

Wo kann man die Produkte denn kaufen?

Hier im Restaurant. Wir haben während der Corona-Krise versucht den Verkauf auszubauen. Die Soßen kann man zum Beispiel auch bestellen und wir versenden sie.

Ich habe gesehen, dass ihr während der Corona-Zeit auch einen Lieferservice angeboten habt. Wird das bleiben?

Während Corona haben wir das ausprobiert und auch einen Abholservice. Die Leute sind da sehr kreativ geworden und haben ihre eigenen Schüsseln mitgebracht. Aber es ist eben nicht das gleiche wie im Restaurant und es hat sich nicht gelohnt, obwohl es sehr viel Arbeit war. Ich habe das Gefühl in den letzten zwei Wochen vier Restaurants eröffnet zu haben. Zwei Restaurants to-go, dann haben wir das to-go Geschäft vorerst wiedereingestellt und dann Jena wiedergeöffnet mit Sitzplätzen. Hier wurde nochmal renoviert und am 26.5. wird in Erfurt auch wiedereröffnet.
Ich arbeite noch daran, dass wir auch draußen sitzen können, aber ich weiß noch nicht ob es geht.

Genau wie in Jena sind wir ein bisschen versteckt. Dort sind wir in einer versteckten Ecke am Markt und hier ist es wieder so. Die Leute müssen uns ein bisschen suchen. Und dann muss es sich ein bisschen rumsprechen. In Jena hat das ein Jahr gedauert, auch, weil die Leute nicht wussten, was Ramen ist. Wenn sie japanisch hören, dann haben sie an Sushi gedacht und das gibt es bei uns nun mal nicht und manche sind dann wieder gegangen, aber es spricht sich rum.

Ich wünsche viel Erfolg dabei!

Wenn ihr Lust habt, das JEN auszuprobieren, dann kommentiert diesen Beitrag hier auf dem Blog. Unter allen Kommentierenden verlosen wir einen 30€ Gutschein, den uns Masami zur Verfügung gestellt hat.

(Denkt daran eure Mailadresse anzugeben, damit wir euch kontaktieren können).

Japanisch essen Erfurt

Im Restaurant hat Masami mehrere Kunstwerke individuell planen lassen. Zum Beispiel die Lichtinstallation über der Theke.

JEN – Japanische Ramen Küche Am Anger 6 99084 Erfurt Öffnungszeiten: Mo – Sa: 11.30 – 14.30 Uhr & 17.00 – 21.00 Uhr Ich verlose unter allen Personen, die diesen Blogbeitrag mit Angabe ihrer Mailadresse kommentieren, einen Gutschein im Wert von 30 € für JEN Ramen in Erfurt. Das Gewinnspiel läuft bis 6.6.2020 23 Uhr. Teilnahmeberechtigt sind nur User aus Deutschland, die mindestens 18 Jahre alt sind. Die GewinnerInnen werden nach dem Zufallsprinzip ermittelt und via E-Mail verständigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.