Das Fäviken Magasinet unter Leitung von Magnus Nilsson gehört zu den besten Restaurants der Welt. Doch nicht nur das Essen ist spektakulär – der gesamte Besuch wird als einmaliges Erlebnis inszeniert.

Unser Bericht ist in drei Teile gegliedert:
Die Anreise
Das Menü
Das Frühstück

Und hier geht’s zum Video

Nach einer Nacht in der ich mehrmals aufwachte, weil ich dachte ein Kellner stünde im Zimmer um den nächsten Gang zu servieren, weckt uns schönster schwedischer Sonnenschein. Die goldenen Strahlen tauchen unser Zimmer in warmes Licht und wecken unsere Lebensgeister, wenn auch nicht unbedingt unseren Hunger.

Zimmer Fäviken
Hier lässt es sich sehr gut einen langen Verdauungsschlaf halten
Aber das Frühstück wartet. Pünktlich um 9 Uhr treten wir also wieder in das rote Holzgebäude und gehen dieses Mal direkt nach oben. Wir werden an unseren Tisch von gestern gesetzt. Menschen sind Gewohnheitstiere.
Michelin Schweden
Morgenstund hat Gold und Sauerteigbrot im Mund
Serviert wird zu unserer Begeisterung erneut das Sauerteigbrot mit frischer Butter. Wieder würde das eigentlich reichen. Brot und Butter sind nicht nur im Zauber des Menüs zum Niederknien.
Frühstück Fäviken
Wurst und Käse zum Frühstück. Können wir den Rest bitte mitnehmen?

Dazu gibt es Wurst aus der Chakuteriefabrik, ein großes Stück Käse, zwei Eier, Wildvogelpastete, Fischterrine, hausgemachten Frischkäse und Marmelade aus Moltebeeren.
Das klingt einigermaßen gewöhnlich, ist allerdings schon wieder extrem besonders. Vor allem der Frischkäse hat es mir angetan.

Breakfast Fäviken
Wildvogelpastete, Fischterrine, hausgemachter traumhafter Frischkäse. Vermutlich werde ich demnächst unter die Käsemacher gehen.
Neben dem Sauerteigbrot gibt es auch noch wunderbare Croissants. Buttrig, cremig und besser als in Frankreich.
Croissant
Perfekte Croissants am morgen. Natürlich sind die noch leicht warm.
Schon wieder können wir nicht die Mengen Sauerteigbrot verspeisen, wie wir gern wollten, denn es gibt noch mehr Leckereien. Joghurt beispielsweise, der die ganze Nacht bei 45 Grad gebacken wurde. Noch leicht warm, schmeckt er besonders gut mit einem Löffel Moltebeerenaufstrich.
Moltebeerenaufstrich
Moltebeerenaufstrich, so fruchtig und lecker. Passt gut zu Croissants und noch besser zum frischen Joghurt.
Als traditionelles Gericht der Region darf auch ein Porridge nicht fehlen. Einen vergleichbaren habe ich bisher noch nicht gegessen, denn Haferflocken suche ich vergeblich in der Schale. Stattdessen verschiedene Körner und Samen, die über Nacht gequollen sind. Statt süß ist er salzig und damit etwas gewöhnungsbedürftig. Abgesehen davon wäre sicherlich allein die Portion Porridge als vollwertiges Frühstück zu betrachten. Ausnahmsweise esse ich nicht auf.
schwedischer porridge
Schwedischer, herzhafter Porridge mit Samen und Kernen
Plötzlich wird die absolute morgendliche Ruhe durch ein lautes Geräusch unterbrochen. Ein Hubschrauber, der, so wie es sich anhört, direkt vor dem Fäviken landet. Erst als er einige Minuten später wieder abhebt, traut sich ein Gast aus einem der schmalen Fenster zu linsen. Sieht so aus, als wäre eine der Hausherrinnen vorbeigekommen. Die Familie, der das Anwesen gehört, lebt in Stockholm und verbringt nur wenige Wochen im Jahr hier im Nirgendwo. Für ihre Besuche werden Schnittblumen im Garten angebaut. Wenn sie kommen, dann sollen frische Blumen bereitstehen.

Ein Stillleben: Eier in der Morgensonne

Zu den Eiern gibt es eine Würzpaste und Kräuter

Zum Kaffee, der unkompliziert in einer French Press serviert wird, gibt es auch noch frischen Saft von der schwarzen Johannisbeere. Wie so oft in den vergangenen 24 Stunden stellen wir fest, was für einen Unterschied es macht, wenn Gerichte oder Getränke handwerklich und frisch zubereitet werden. Vieles, was eigentlich der Standard sein sollte oder der Ursprung ist, kennen die meisten Gaumen nicht mehr.
Mira How to Gourmet
Vollkommen zufrieden. So könnte ich jeden Tag starten.
Während wir noch gemütlich an unseren Kaffeetassen nuckeln, brechen die anderen Gäste langsam auf. Die Autos, die von den Angestellten am Vorabend geparkt wurden, stehen bereits aufgereiht vor dem Gebäude. Ein unmissverständliches Zeichen: es ist Zeit, Platz für die Nächsten zu machen.
Keks
Frisch aus dem Ofen: Kekse mit Marmelade
Doch bevor das so weit ist, bekommen wir noch ein Trostpflaster in Form eines ofenwarmen Kekses. „Es wird schon wieder Kinder, das Fäviken bleibt in euren Herzen. Aber jetzt husch husch, die nächsten kulinarischen Abenteuer warten in der großen weiten Welt auf euch!“
Sauerteigbrot backen
Zum Abschied ein Brot und ein bisschen Sauerteig. So cool!

Epilog:
Als Flo die beachtliche Rechnung bezahlt, gibt er sich einen Ruck und fragt nach einem lebendigen Andenken an diesen unvergesslichen Tag im Fäviken.
Stolz kehrt er mit einer Plastikdose und einer Papiertüte zurück ins Zimmer, wo ich unsere Sachen packe. In der Tüte: ein Laib des kostbaren Brotes. In der Dose: eine Portion des Sauerteigs.

 

Was zuvor geschah:

In Teil 1 lest ihr mehr zum Fäviken

In Teil 2 lest ihr unseren Bericht zum Menü – es gibt auch ein Video zu sehen

Facebook

Facebook Pagelike Widget

Instagram