Ein ganzes Jahr ist vergangen und ich bin nicht stolz darauf, dass der How to Gourmet Blog 2025 massiv zu kurz gekommen ist. Es war wenig Zeit, teilweise sogar wenig Zeit zum Essen (geschweige denn zum essen gehen). How to Gourmet hat dieses Jahr deswegen vor allem auf Instagram und in meiner Zeitungskolumne „FoodStorys in Thüringen“ stattgefunden. Da kristallisiert sich doch sofort ein Neujahrsvorsatz heraus und ich hoffe, dass hier auf dieser Plattform 2026 wieder mehr passiert. Ideen habe ich genug!
Denn an meiner Liebe zum Genuss, zum Entdecken von Gerichten, Zutaten und Küchen hat sich nichts geändert. Und somit möchte ich euch wie immer meine diesjährigen Highlights vorstellen. Inseln des Hedonismus, Pausen vom Alltag und viele schöne Momente – wie immer chronologisch.
1. Hallmann & Klee in Berlin
Etwas farblos vielleicht, aber das gilt nur für den Anblick
Cacio e pepe mit Belper Knolle. Herrlich!
Ich habe noch nie ein Menü gegessen, in dem so konsequent meine Lieblingszutaten verwendet wurden wie im Hallmann & Klee in Berlin. Kartoffeln mit Liebstöckel-Öl, Kräuterseitlinge, Eigelb, Belper Knolle, Pasta. Es war einfach wie für mich gemacht. Ein hervorragender Abend in einem sehr heimeligen Restaurant in das ich 2026 wirklich gern nochmal gehen möchte.
2. Fröhlich singend in der Bachstelze
Zusammen mit Flos Mama und Schwester haben wir uns im Winter einen schönen Abend in der Bachstelze in Erfurt gemacht. Der letzte Besuch im kuscheligen Restaurant von Maria Groß war eine Weile her und wir wollten der Familie gerne zeigen, was für ein tolles Restaurant sich direkt in unserer Heimatstadt am Waldrand versteckt. Es war wieder einmal kulinarisch hervorragend, außerordentlich gemütlich und angemessen seltsam (mit allen Gästen gemeinsam „Schön ist es auf der Welt zu sein“ singen? Ich weiß ja nicht.).
Für mich steht der Besuch hier in der Liste auch stellvertretend für die weiteren 11 Restaurants in Thüringen, die ich dieses Jahr für meine Zeitungskolumne „FoodStorys aus Thüringen“ besucht habe. Ich vergesse nämlich selbst gern, dass es auch hier tolle Lokalitäten gibt.
Der Tisch in der Bachstelze ist reich gedeckt
3. Orangen in Agrigento
Der Himmel ist blau, Blätter rauschen im Wind und Flo und ich klauen ein paar Orangen aus einem Garten bei Agrigento auf Sizilien.
Und das meine lieben Freunde, waren einfach die besten Orangen, die ich jemals gegessen habe.
Willkommen im Paradies
Orangenschmuggel
4. Einmal Pasta zum Mittag, bitte
Dieser Abschnitt italienischer Gastfreundschaft ist etwas aus dem Ruder gelaufen. Nach einer relativ schlaflosen Nacht im Nachtzug nach Salerno hatten Flo und ich Hunger und kehrten kurzentschlossen in einem äußerst prominenten Restaurant an der Amalfiküste zum Mittagessen ein, der Antica Osteria Nonna Rosa.
Niemand konnte erwarten, dass der König der Pasta uns dort ein so ausuferndes Festmahl der Kohlenhydrate servieren würde. Es war köstlich und unmenschlich reichlich und mit all den skurilen Dekoelementen im Raum und den einfach nicht endenen Gängen einer der lustigsten Restaurantmomente des Jahres.
Klar, Pasta als Vor-, Haupt- und Nachspeise bitte.
Wäre es nicht so köstlich gewesen, hätten wir danach nicht so gelitten.
5. Die Planung eines eigenen Cafés
Während unseres vierwöchigen Italienaufenthalts im Februar reifte die Idee für unser eigenes Café. Die ersten Absprachen mit dem Vorbesitzer fanden statt und wir entschlossen uns, dieses Projekt zu wagen. Unsere Köpfe ratterten pausenlos, wir schrieben einen Businessplan, programmierten Apps, recherchierten Preise, führten Gespräche, spazierten an der Küste Siziliens und planten: Konzept, Speisekarte, Öffnungszeiten. Saßen auf einer Piazza und fotografierten uns eine Schriftart für unser Logo ab, wanderten durch die Alpen und brainstormten nach Veranstaltungsideen und Einkommensmöglichkeiten.
Der Reiz des Neuen war groß, der Spaß an der Gestaltung der Idee auch. Die Idee fühlte sich noch an wie ein Spiel, aber doch ernst genug um Nervenkitzel zu verursachen
Der Ort, an dem die Idee von der [ka:te:] langsam zu Realität wurde.
6. Restaurant bi:broud in Ulm
Tja, eigentlich sollte 2025 das Jahr werden, in dem Flo und ich segeln lernen, doch dann kam uns das oben genannte Großprojekt dazwischen. Den Trip an den Bodensee zu unserer Freundin haben wir trotzdem gemacht, zwar nicht zum segeln, sondern um die letzten Vorbereitungen unserer Café-Eröffnung zu treffen. Den Rahmen dieses insgesamt sehr köstlichen Trips mit zahlreichen Törtchendates, Ciderverkostungen und Erdbeer-Picknicks hat der Besuch im bi:broud und der dazugehörigen Brasserie geboten. Beides war einfach richtig fantastisch!
Sehr angenehme Orte, an denen es einfach so viel Spaß gemacht hat sich durch das Menü treiben zu lassen. Ich erinnere mich noch an Spargel mit Trüffel und Erbse und ein Dessert mit Baiser, Sauerampfer, Staudensellerie und Erbeeren.
Ganz weit oben in der diesjährigen Dessert-Hitliste.
Auch in Sachen Inneneinrichtung ganz weit vorne.
7. Die [ka:te:] eröffnet und es werden viele Cheesecakes verkauft
Im Juni war es so weit. Wir haben die Schlüssel für unser Café bekommen und sind mit Vollgas in die Renovierung gestartet. Während wir Wände gestrichen, Schubladen aussortiert, geputzt und Lieferanten kontaktiert haben, feilten wir nebenbei an der Speisekarte, probierten Rezepte aus und kämpften uns durch die Bürokratie.
Eine feste Gebäckauswahl sollte es erstmal geben. Ein paar Sandwiches für die wir intensiv recherchiert haben, richtig guten Kaffee und natürlich ein paar saisonale Specials.
Im Rückblick völlig unbegreifbar ging es dann einfach los. Leute kamen in das Café und gaben Geld für unsere Speisen aus und so ist es seitdem. Wir haben plötzlich ein Café.
Gerade in den ersten Wochen und Monaten blieb der persönliche Genuss ziemlich auf der Strecke. Aber der Genussmoment, den ich hier verewigen möchte ist das Feedback unserer Gäste. Der Typ, der zu Beginn einmal die Woche kam und jedes Mal vier Stücke von unserem baskischen Cheesecake mitgenommen hat, die Frau die geschäftlich in Erfurt war und für vier Wochen JEDEN Tag kam und unseren Streuselkuchen gegessen hat, unsere Freunde, die regelmäßig das halbe Café gefüllt haben, Leute, die sich so sehr über unsere Scones gefreut oder den Kaffee in höchsten Tonen gelobt haben.
Das alles hat den Stress vielleicht nicht minimiert, aber doch irgendwie gezeigt, dass es ein tolles Projekt ist, das Genuss in das Leben von anderen Menschen bringt.
Hallo und hereinspaziert!
Hurra, die [ka:te:] ist eröffnet!
8. Menü in zwei Schichten
Ja, durch Kinder ändert sich so einiges, aber wenn man wirklich will, dann ändert sich nicht alles. Wie jedes Jahr waren wir im Spätsommer mit unseren Freunden (und ihren Kids) im Urlaub. Statt alle gemeinsam essen zu gehen, haben wir uns in zwei Gruppen geteilt und das kleine, feine Restaurant „Sophie & Nicolas“ im belgischen Comlain-La-Tour auf zwei aufeinanderfolgenden Tagen heimgesucht. So konnte immer jemand die Kinder bewachen. Zwei Erlebnisse, zwei Geschichten, viel Genuss. Für mich das Highlight: geräucherte Wassermelone in fermentierter Mirabellensoße. Herrlich!
Geräucherte Wassermelone!
9. Knystaforsen und der schwedische Wald
Seit Jahren habe ich vor das Restaurant Knystaforsen mitten im schwedischen Wald zu besuchen. Die muckelige Atmosphäre (Holzhaus, wilder Wald, Feuerschalen vor der Tür) haben mich magisch angezogen. Sicher auch, weil mich all das an meinen immernoch unerreicht tollsten Restaurantbesuch aller Zeiten im Fäviken erinnert haben.
Und da waren wir dann, im schwedischen Herbst, bei frischen Temperaturen und saßen an einem der Tische mit Blick in den Wald. Alle Gänge in diesem Restaurant haben etwas mit Feuer zu tun, haben geräucherte Komponenten, sind gegrillt oder in Asche gebacken. Das ist spektakulär, sehr beeindruckend und obendrein auch wirklich köstlich. Mein Highlight war wahrscheinlich das Gesamterlebnis inklusive Ausflug in die Outddorküche und ans Lagerfeuer im Garten. Besonders oft werde ich wahrscheinlich an das im Feuer gebackene Brot und an den Sanddorn-Cocktail in der kuschliges Lounge zurückdenken.
Und weil das irgendwie zusammengehört: Auf dem Heimweg haben wir einen Stopp in Magnus Nilsons (ehemaliger Chefkoch im oben erwähnten Fäviken) neuem Projekt gemacht. Sein Bed and Breakfast stand kurz vor der Eröffnung und wir durfen schonmal das tolle Interieur bewundern und eine hervorragende Kardamomschnecke probieren. Hierher kommen wir sicher zurück!
Petit Four wie gemalt.
10. Alchemist in Kopenhagen
Der Besuch im Restaurant Alchemist in Kopenhagen war Flos großer Wunsch. Ich war zugegeben etwas skeptisch und hatte Angst vor zu viel Show und zu wenig leckerem Essen.
Das war ganz eindeutig nicht der Fall. Ja, es war eine unglaubliche Show, es gab Kunst, Gedankenanstöße, an jeder Ecke viel zu sehen, zu hören und anzufassen und es war auch einfach köstlich. Ein Abend der lang war, aber auch noch länger hätte sein können, weil es einfach so toll war.
Geschmacklich war mein Highlight vermutlich das unfassbar knusprige Kartoffelstärke-Törtchen mit Schinken und ein wahnsinnig guter Kombucha.
Kein Wunder, dass dieses Restaurant als eines der besten der Welt gilt.
Foodies im Glück!
2025 war wild und möchte erstmal verdaut werden.
Aber wir wären nicht wir, wenn wir nicht schon Pläne für 2026 hätten:
Endlich das Masters in Blankenhain besuchen, ein kürzerer Ausflug nach Italien inklusive Stopp in der Casa Maria Luigia, die Idee für ein monatliches Brunch-Buffet im Café, hoffentlich ein Besuch im Early June in Paris, vielleicht ja Scones in London essen und viele meiner Kreationen in der [ka:te:] weiterentwickeln. Und, was richtig cool wäre, ein Pop-Up im Café zu veranstalten.
Was waren deine kulinarischen Highlights des Jahres? Was hast du für Pläne für das neue Jahr?
Ich würde mich freuen davon zu lesen.